Gesellenprüfung Kfz Sommer 2010: Beruflichen Schulen Groß-Gerau
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Licht für den Campingwagen

Konzentriert gingen die Prüflinge Anja Bauer (vorn) und Hashi Faysal (dahinter) in der Groß-Gerauer Berufsschule ans Werk. Foto: Dieter Gölzenleuchter

Prüfung: In den Beruflichen Schulen des Kreises zeigen die künftigen Kfz-Mechatroniker im praktischen Teil, was sie können - ,,Facharbeiter, auf die man stolz sein kann"

 

Das rote oder das blaue Kabel? Die Zeit rennt, hoch konzentriert brütet der junge Mann über seiner Aufgabe. Nein, es handelt sich nicht um die Entschärfung einer Bombe. Doch dass alles glatt über die Bühne geht, ist für ihn und weitere 13 junge Menschen am Samstag nicht weniger zukunftsentscheidend: Es ist der letzte Teil der praktischen Abschlussprüfung für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in der Kreisberufsschule Groß-Gerau.


Folgende Aufgabe stellen Prüfungsausschussvorsitzender Rolf Herden von der Kfz-Innung Groß-Gerau und die rund 15 Beisitzer: Ein Kunde möchte mit seinem Wohnwagen in den Urlaub fahren. Doch am Campingfahrzeug fehlt jegliche Beleuchtung. Kein Blinker, nichts. Die Prüflinge haben maximal zweieinhalb Stunden Zeit, um aus den bereitgestellten Einzelteilen - Kabelsatz, Glühbirnchen, Metallschiene - eine funktionierende Lichtleiste zu bauen.


Um punkt zwölf geht es los. Aufgeteilt auf zwei Räume sitzen die Prüflinge hinter den Werkbänken, studieren die anleitenden Unterlagen, nehmen die ersten Werkzeuge in die Hand. 13 junge Männer und eine junge Frau haben nun zweieinhalb Jahre Ausbildung hinter sich, sie sind die ,,Vorzeitigen", die aufgrund sehr guter Noten verkürzen konnten.


,,Das ist für mich die Elite", sagt Rolf Herden stolz; der Sechzigjährige spricht aus Erfahrung, ist seit 15 Jahren Vorsitzender der Prüfungskommission. Mit Genugtuung geht er durch die Reihen, verteilt motivierende Kommentare, fragt, ob alles in Ordnung sei, beruhigt Prüflinge, bei denen offensichtlich die Nerven etwas blank liegen. ,,Das ist fachgerechte Arbeit", beurteilt Herden die Verkabelung eines der Modelle, die jeder Prüfling in den zurückliegenden Wochen hat bauen müssen und die nun aufgereiht an jedem Arbeitsplatz stehen.


Das einer umgedrehten Schublade ähnelnde Modell hat obendrauf Scheinwerfer und Knopfschalter wie in einem Auto für Fernlicht, Blinker, Nebelschlussleuchte. Die Verkabelung ist auf der Unterseite und sollte nicht ,,wie ein Salatteller" aussehen, erklärt Rolf Herden. Akkurat mit Kabelbinder zusammengebunden - so sieht es bei den meisten auch aus, und Herden bemerkt: ,,Das sind die Facharbeiter, auf die man stolz sein kann."


Umso mehr schmerzt es den Kfz-Meister, der 42 Jahre für die Firma Opel gearbeitet hat und jetzt noch im vom Sohn geführten Autohaus in Nauheim als Betriebsleiter wirkt, dass von einem Jahrgang, also im Schnitt 40 jungen Leuten, nach seinen Angaben lediglich zehn Prozent übernommen werden. Es sei beschämend, wenn solch gut ausgebildete Facharbeiter schließlich einen berufsfremden Job annehmen müssten.


,,Es gibt einfach zu wenig Arbeitsplätze", bedauert Herden. Die Wirtschaftskrise habe die Situation noch mal verschärft. Schon in der Ausbildung sei die Zeit für die Lehrlinge knapp. Den extremen Leistungswettbewerb und das Preisdumping (,,das erste, was der Kunde fragt, ist: Wie teuer?") macht Herden dafür verantwortlich.


Nach eineinhalb Stunden ist Jan Vöglin (20) als erster Prüfling soweit und tritt mit seiner Lichtleiste den Funktionstest an. Meister-Beisitzer Stefan Lang kontrolliert: Blinker? Bremslicht? Ein Knopf nach dem anderen wird gedrückt - während der Prüfling daneben verharrt und hofft, dass ihm kein Fehler bei der Verkabelung unterlaufen ist. Der Test ist bestanden; mit Vöglins Anlage könnte der Urlauber aus der Aufgabenstellung sofort in den Urlaub aufbrechen.


Das plant auch Jan Vöglin in den nun folgenden Sommerwochen, bis im Oktober sein Elektrotechnik-Studium beginnt: Eine große Motorradtour an den Bodensee soll es werden. Ohne Anhänger.


 


erschienen im Groß-Gerauer Echo am 30.06.2010