Aktionstag: Beruflichen Schulen Groß-Gerau
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Polizei führt Unfalltod vor Augen

Die Trümmer eines Unfallautos, in dem drei junge Leiute ums Leben gekommen sind. Die Groß-Gerauer Berufsschüler sind betroffen. BILD: OLIVER WEINER

Beim landesweiten Aktionstag warnen die Beamten Groß-Gerauer Berufsschüler vor Alkohol und Drogen. Von Andrea Rost


Kreis Groß-Gerau · Peter (18), Isaak (15) und David (17) rasen durch die Nacht. Mit 160 Sachen fliegt ihr Auto aus der Kurve, prallt gegen einen Baum. Die drei Jugendlichen sind auf der Stelle tot. Dieser tragische Unfall in Nordhessen liegt drei Jahre zurück. Das zerfetzte Fahrzeug haben die Eltern eines der Opfer der Polizei überlassen. Die Beamten nutzen es jetzt zur Präventionsarbeit und postierten es gestern vor dem Eingang der Beruflichen Schulen in Groß-Gerau, wo im Zuge des Landesaktionstages der hessischen Polizei eine zentrale Veranstaltung unter dem Titel "Drogen und Alkohol" lief.

Rund 6000 Menschen sterben Jahr für Jahr in Deutschland im Straßenverkehr, etwa ein Viertel davon sind junge Leute zwischen 15 und 28 Jahren. "Das sind 50 Schulklassen", rechnet ein Beamter den Berufsschülern vor. Die rockigen Klänge der Polizeiband haben 100 Mädchen und Jungen in den großen Klassenraum im ersten Stock gelockt. "Knocking on Heaven's Door" spielen Melanie, Karsten, Christian und Markus im grünen Polizei-Outfit.

"Die letzte Sekunde"

Dann folgt ein Film: Ein junger Mann ist im Straßenverkehr gestorben, er hat über den Durst getrunken, seine Freunde sprechen Nachrufe auf ihn. ?Du warst mein bester Freund, du fehlst mir, ich vermiss dich.? Nachdenkliche Blicke, Stille. Plötzlich ist der Tod für die Berufsschüler zum Greifen nah. Der Beamte erzählt, was passiert, wenn ein Wagen mit 140 Stundenkilometer auf ein Hindernis auffährt. "Die letzte Sekunde deines Lebens", heißt die Präsentation. Menschen haben plötzlich ein Gewicht von drei Tonnen, die Kniegelenke brechen, mit unglaublich hoher Geschwindigkeit saust der Körper auf die Lenksäule zu. Keine Zeit mehr zu schreien. Herzstillstand.

Überaus einprägsam haben die Beamten des Polizeipräsidiums Südhessen den Berufsschülerinnen und Berufsschülern gestern deutlich gemacht, welche Konsequenzen es haben kann, wenn Alkohol und Drogen konsumiert, wer am Steuer eines Autos sitzt. "Die Zahl der Drogenfahrten ist in der letzten Zeit erheblich gestiegen", weiß Jörg Thumann, Fachlehrer an der Hessischen Polizeischule.

Wie beim Alkoholtest lasse sich seit kurzem bei einer Polizeikontrolle mit Hilfe eines einfachen Gerätes auch feststellen, ob der Fahrer Drogen genommen hat. Außerdem sind die Beamten geschult, Drogenfahrer an äußeren Merkmalen zu erkennen: erweiterte Pupillen, unsicherer Gang. Wer erwischt wird, ist den Führerschein los, außerdem wird Strafanzeige erstattet.

Beim Aktionstag mitgemacht haben unter anderem auch die Führerscheinstelle, die Drogen- und Suchtberatung des Kreises und die Initiative "Don't drug and drive" der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Polizei kündigte für die kommenden Wochen verstärkt Kontrollen im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen an


Frankfurter Rundschau,
Samstag, den 25. März 2006
Seite: 36