Datenschutztag 2008: Beruflichen Schulen Groß-Gerau
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Podium an den Beruflichen Schulen in Groß-Gerau zum Thema Datenschutz. Auf dem Foto von links: Dennis Gremmerich, Sven Roth, Reinhold Schneider, Michael Ronellenfitsch, Rüdiger Wehrmann.

 


Über das Internet „ausgezogen“


Datenschutz: Beauftragter des Landes informiert rund 400 Schüler der Beruflichen Schulen und beantwortet Fragen


 


GROSS-GERAU. Wer sich durch das Internet bewegt, hinterlässt viele Spuren. Spuren, die lange Zeit nachvollziehbar sind und im Zusammenhang einen meist ungewollten Einblick in die Privatsphäre des Internet-Nutzers geben. Anlässlich des Europäischen Datenschutztages mahnte am Montag der Hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch in den Beruflichen Schulen Groß-Gerau Schüler zum überlegten Umgang mit ihren privaten Daten im Internet und zeigte technische Möglichkeiten der Datenerfassung auf.


Anschließend stellten sich Ronellenfitsch sowie sein Mitarbeiter Rüdiger Wehrmann, Personalmarketing-Leiter Sven Roth (Fraport) und Schulsprecher Dennis Gremmerich in einer Podiumsdiskussion, die Schulleiter Reinhold Schneider moderierte, den Fragen der knapp 400 Berufsschüler.


Daten werden nicht nur im Internet gesammelt. Auch via Überwachungskameras können Menschen anhand biometrischer Daten identifiziert werden. Eine Standortbestimmung kann über das Signal des Handys oder via Kennzeichenerkennung des Autos gemacht werden. So fügt sich das Informations-Puzzle schnell zusammen.


„Jeder hat etwas zu verbergen“, sagte Ronellenfitsch, und das sei jedermanns gutes Recht, das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Wer wolle schon, dass sich der Arbeitgeber über die Vorlieben oder Unternehmungen am Wochenende genauestens informieren könne. Es sind vor allem Online-Plattformen wie flickr.com, Schüler oder Studi VZ, in denen per Mausklick ganz einfach und meist ohne große Hemmungen ein Einblick in Privatsphären unternommen werden kann. Auf der Startseite von flickr.com wirbt der Anbieter mit dem Spruch: „Zeigen Sie ihre Fotos. Sehen Sie der Welt zu.“ Genau hier setzt der Datenschutzbeauftragte an: „Was passiert, wenn der Benutzer keine Kontrolle mehr über Freigabe seiner persönlichen Informationen hat?“


Rüdiger Wehrmann, Mitarbeiter von Ronellenfitsch, verdeutlichte das Problem am Beispiel Studi VZ. Selbst wenn auf der Profilseite eines Mitglieds kein Foto von ihm zu sehen sei, könne man diesen leicht über verlinkte Bilder bei Freunden finden. Blieben diese Informationen innerhalb eines Freundeskreises, so wäre das kein Problem. Da aber der Zugriff leicht getätigt ist, kann eben ungewollt die ganze Welt zuschauen.


So beispielsweise auch ein potenzieller Arbeitgeber, wie Sven Roth, Leiter des Personalmarketings bei Fraport, in der anschließenden Podiumsdiskussion einräumte: „30 Prozent der Personalchefs nutzen die Informationen aus dem Internet.“


Allerdings sei es im Fall von Fraport kein strategisches Mittel, um die Bewerber zu filtern. Denn der Aufwand bei knapp 4000 Bewerbungen sei zu hoch. Eine Vorauswahl ließe sich so aber treffen. Was in einer Online-Plattform präsentiert wird müsse jeder selbst entscheiden, meinte Roth. Auch bei Bewerbungen zeige man schließlich nur die positive Seite. Roth empfindet die Online-Selbstdarstellung als „Prostitution im digitalen Sinne“.


Mehr Sensibilität im Umgang und Schutz mit den eigenen Daten forderte Ronellenfitsch von den Schülern. Dass im Alltag nur kontrolliert und freiwillig Informationen preisgegeben würden sei de facto nicht der Fall. Schon bei der Essensbestellung im Flugzeug ist es damit vorbei: Aus den Essgewohnheiten lasse sich ganz einfach die Religionszugehörigkeit ableiten. Handyanbieter speicherten die Verbindungsdaten, Online-Shops ebenfalls. In der Suchmaschine Google blieben alle Eingaben für eineinhalb Monate gespeichert. „Wissen, was die Kunden interessiert, ist bares Geld“, so Rüdiger Wehrmann.


„Es ist schon erschreckend zu sehen, wie man über das Internet ausgezogen wird“, sagte Schulsprecher Dennis Gremmerich, es sei ein großer Eingriff in die Freiheit. Um diesen Eingriff in die informelle Selbstbestimmung zu verhindern, müsse jeder selbst entscheiden, wem er welche Informationen zugänglich macht, sagte Ronellenfitsch.


timo


29.01.2008


GROSS-GERAUER ECHO