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„Da müssen sie echt was schaffen“
Ausbildung: 34 angehende Kraftfahrzeugmechatroniker legen in Stockstadt den zweiten Teil ihrer praktischen Prüfung ab STOCKSTADT. Die in Deutschland gefahrenen Autos sind im Schnitt acht Jahre alt, hat das Kraftfahrzeug-Bundesamt errechnet. So gesehen, ist der weiße Opel Vectra A, der am Samstag in der Werkstatthalle des Autohauses Semler stand, mit seinen 20 Jahren schon ein Senior. Aber ein rüstiger. „Der hat sogar die grüne Plakette“, betonte Rolf Herden von der Innung des Kraftfahrzeughandwerks Groß-Gerau. Der Nauheimer war allerdings nicht nach Stockstadt gekommen, um einen jungen Oldtimer zu bewundern. Herden stand dem Prüfungsausschuss vor, der das Können von 34 angehenden Kraftfahrzeugmechatronikern aus dem Kreisgebiet bewertete. Beim zweiten Teil der praktischen Gesellenprüfung – der erste Teil war im Dezember im Autohaus Herden – bekamen es die Prüflinge unter anderem mit einem von vier aufgebockten Autos zu tun. Die Lehrlinge hatten den technischen Zustand dieser Wagen, darunter der weiße Opel Vectra A, zu prüfen – wie bei einer TÜV-Untersuchung. Stimmt die Reifenbreite mit den Angaben im Fahrzeugschein überein? Hat das Rad Spiel? Wird es tatsächlich Licht, wenn man die Scheinwerfer einschaltet? Funktionieren die Bremsen? Eine weitere Aufgabe bekamen die Prüflinge zur Elektrik gestellt. „Stellen Sie sich vor, das ist ein Auto“, sagte Rolf Herden – und deutete auf eine kleine, auf ein Holzbrett montierte Schaltkreis-Anordnung mit Hupe und Warnblinker. Der Gedanke, der dahinter steckt: die Anwendung und Überprüfung praktischer Fertigkeiten. Jeder der jungen Leute hatte eine Woche lang Zeit, eine solche Anlage im jeweiligen Ausbildungsbetrieb zu bauen. Einige Prüflinge hätten diese Hausaufgabe nicht erledigt, berichtet Herden: „Die hatten keinen Bock.“ Und drei Auszubildende seien gar nicht erst zur Prüfung erschienen. Von den Prüfern wurde die Diebstahl-Warnanlage zunächst begutachtet und dann fehlerhaft verändert. Diese Fehler hatten die Auszubildenden dann nicht nur zu finden und zu beheben, auch ihr Vorgehen dabei wurde bewertet. „Da müssen sie echt was schaffen“, sagte Herden. Um die auch aus einem Theorie-Teil bestehende Prüfung zu bestehen, dürfen sich die Teilnehmer nur einmal die Note „mangelhaft“ erlauben. Insgesamt müssen sie wenigstens die Hälfte der Punktzahl erreichen, wie der Lehrer Heinz-Günther Wilczek von der Berufsschule Groß-Gerau erklärt. Der paritätisch besetzte Prüfungsausschuss besteht aus vier Meistern (darunter Obermeister Harald Petry), Berufsschullehrern und Gesellenvertretern. Bis vor drei Jahren hat es, so Wilczek, noch Lehrlinge in den Berufen Kraftfahrzeugmechaniker und Kraftfahrzeugelektroniker gegeben, die auch getrennt voneinander ihre Gesellenprüfung abgelegt hätten. Weil aber in modernen Autos nun mal Mechanik und Elektronik eine Symbiose bilden, ist es laut Wilczek notwendig geworden, beide Fachgebiete zu vereinen. Der Beruf sei allerdings unterteilt in Pkw- und Lkw-Instandsetzung sowie Kommunikationstechnologie (beispielsweise Navigationsgeräte). 24 der 34 Prüflinge, die am Samstag in Stockstadt ihre Fähigkeiten zeigten, sind im Pkw-, acht im Lkw-Bereich tätig. Und zwei Lehrlinge, darunter die einzige Frau der Prüflingsgruppe, haben den Schwerpunkt Kommunikationstechnologie gewählt. Dreieinhalb Jahre oder, falls der Lehrling das Abitur hat, drei Jahre dauert die Lehre im Regelfall, so Wilczek. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr zu verkürzen. Hat der Kraftfahrzeugmechatroniker in Zeiten wie diesen, da die Autobranche kriselt, denn eine Zukunft? „Ja, mit Sicherheit“, antwortete Wilczek. Das Auto sei nach wie vor der Liebling der Deutschen. Außerdem sei der Beruf aufgewertet worden, was auch durch den Namen deutlich werde. Früher habe man die Spezialisten in den Autowerkstätten noch Kraftfahrzeugschlosser genannt. Aber diese Bezeichnung sei „zum Glück aus den Köpfen raus“, sagte Wilczek. Mit Schlosser habe der heutige Beruf „nichts mehr zu tun.“ Text: Dirk Winter |