Tag der offenen Tür 2010: Beruflichen Schulen Groß-Gerau
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Gut aufgestellte Bildungseinrichtung

Im Datenverarbeitungsraum präsentierten Tobias Pritsch (rechts) und weitere Schüler der Klassen 12 und 13 des beruflichen Gymnasiums ihr selbst entwickeltes Projekt „Lottoschaltplatine“. Foto: Dagmar Mendel

Berufliche Schulen: Besucher informieren sich über vielfältiges Angebot - 2880 junge Leute lernen in Groß-Gerau

2880 Schüler besuchen derzeit die Beruflichen Schulen (BSGG). Neben Beruflichem Gymnasium, der Fachoberschule, Berufsfachschule, Höheren Berufsfachschule und Berufsschule gehören das Berufsgrundbildungsjahr und Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung sowie ein berufsbezogenes Fremdsprachenzertifikat zum Angebot der BSGG.


Wie vielfältig dieses Angebot ist, präsentierten Schüler, Lehrer und Kooperationspartner am Samstag zahlreichen interessierten Besuchern. Dabei war die Beratung durch Lehrer und Schüler für Schüler nur eine Möglichkeit, sich zu informieren. Das Konzept: Mit Schulform bezogenen Schwerpunkten das Bildungsangebot rüberbringen.


Schon im Eingangsbereich des Schulgebäudes duftete es nach frisch gebackenen Berlinern und Kuchen aus der ,,Gläsernen Bäckerei", mit der die Bäcker und Fachverkäufer für das Lebensmittelhandwerk Einblicke in ihren Ausbildungsberuf gaben. Auf allen Fluren im Gebäude waren Plakate angebracht, mit Ausstellungen, Powerpoint- und Video-Präsentationen informierten Schüler über Schulprojekte und Unterrichtsinhalte.


,,Genau vor einem Jahr - am Tag der offenen Tür - lernte ich diese Schule kennen" sagte Martin Gonnermann, der kurze Zeit später Schulleiter der BSGG wurde. Er sprach von einer ,,gut aufgestellten Schule", deren strategisches Ziel die Zusammenarbeit mit Partnern aus den Berufsfeldern sei.


Wie solche Kooperationen funktionieren und die Schüler davon profitieren können, zeigte der Bereich Kraftfahrzeugtechnik. Mit Laptop und einem neuen Analysegerät gingen sie bei einem Auto auf Fehlersuche. Mitfinanziert wurde das rund 3700 Euro teure Gerät aus Mitteln einer Ausbildungsoffensive eines Unternehmens, unterstützt von der Kfz-Innung. Von jedem Liter Öl des Herstellers, das die Innungsbetriebe verkaufen, fließen ein bis vier Cent in dieses Förderprogramm. ,,Durch solche Maßnahmen kann die Schule gewährleisten, dass die Ausbildung auf dem neuesten Stand ist", erklärte Lehrer Wolfgang Glotzbach, der für den Kfz-Bereich verantwortlich ist.


Davon profitieren wiederum die Betriebe, bei denen die Auszubildenden arbeiten. Etwa der Autobauer Opel. Der Leiter Berufsausbildung der Opel AG, Hans-Dieter Weiland, betonte, dass eine so enge Zusammenarbeit - auch zwischen Lehrern und Ausbildern - nicht an allen Schulen funktioniere.


Nur ein paar Schritte von der Kfz-Werkstatt entfernt demonstrierten Gerüstbauer an einem Innengerüst, das sie in der Aula aufgestellt hatten, ihre Sicherheitsausrüstung. Mit 17 Klassen und rund 500 Schülern ist Groß-Gerau der größte Berufsschulstandort für diesen Ausbildungszweig in Deutschland. Die Schüler kommen aus dem gesamten süddeutschen Bereich, aus Thüringen und aus Sachsen in die Kreisstadt.


Eine noch weitere Anreise haben die Schüler der Landesstelle für gewerbliche Berufsförderung in Entwicklungsländern, die für mehrere Monate nach Deutschland gekommen sind. Im Auftrag des Kultusministeriums werden Fach- und Führungskräfte der beruflichen Bildung aus Partnerländern in den Bereichen Elektrotechnik, Informationstechnik und Bildungsmanagement fortgebildet.


Derzeit sind zwei Gruppen im schuleigenen Gästehaus untergebracht. Eine Gruppe aus Mosambik beschäftigt sich mit dem Themenschwerpunkt Fotovoltaik, für die Besucher aus mehreren arabischen Ländern steht Lernen mit elektronischen oder digitalen Medien auf dem Programm. Übergeordnete Ziele des Projekts sind langfristig Friedenssicherung und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern.


Ein Ziel, das vor Ort verwirklicht werden soll, haben Schüler der Fachoberschule aus den Bereichen Informations- und Elektrotechnik sowie Wirtschaft und Verwaltung mit ihrem Projekt ,,Stadtentwicklung Groß-Gerau 2020" in Angriff genommen. Mit Umfragen haben sie untersucht, wie ihre Mitschüler die Kreisstadt bewerten, und auf Grundlage der Ergebnisse eigene Vorschläge zur Verbesserung der Lebensbedingungen in der Stadt entwickelt.


Ob Schule, Freizeit oder öffentlicher Personennahverkehr - im Vordergrund des Interesses stand dabei die Attraktivität der Stadt für ihre Altersgruppe. Gute Noten bekam Groß-Gerau für den Sportpark und das Bildungsangebot, weniger begeistert waren die Schüler von den Jugendzentren, die zu wenig Angebote für Mädchen böten, den Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt und den Parkflächen rund um die BSGG. Auch für das Südzucker-Gelände hatten die Nachwuchs-Städteplaner eine Lösung. Sie schlugen einen Activity-Park vor, mit Billard-Zentrum, Fußballhalle und Kartbahn.


Klaus Müller, Referent im Kultusministerium, betonte wie wichtig es sei, persönliche und gesellschaftliche Aspekte zu beleuchten und sogenannte Lernortkooperationen zu bilden: ,,Hier finden wir die ideale Form, man arbeitet miteinander, nicht nebeneinander her."


erschienen im Groß-Gerauer Echo am 08.02.2010