Oktober 2014: Ein Schulbesuch der Freude bereitet

Eine Gruppe Auszubildender der Mittel- und der Oberstufe des Berufsfeldes Holztechnik der Beruflichen Schulen Groß-Gerau besuchte vom 13.10.2014 bis zum 17.10.2014 ihre Partnerschule, die Haganässkolan in Älmhult/Schweden. Die Auszubildenden des Tischlerhandwerks starteten in Begleitung ihres Lehrers Stefan Hirschfelder ab Frankfurt Flughafen in Richtung Kopenhagen. Per Zug ging es dann weiter über die Öresundbrücke via Malmö nach Älmhult, vorbei an atemberaubenden Landschaften und imposanten Natureindrücken. Für die meisten unserer Azubis ihre erste Reise ins Reich der Wikinger, der Elche und der Köttbullars.

Älmhult: eine kleine beschauliche, 9000 Einwohner zählende Stadt in Südschweden. Wer Älmhult besucht, der trifft auf Ikea. Ikea ist allgegenwärtig und prägt unverwechselbar das Bild dieser schwedischen Kleinstadtidylle. Auf dem Weg zu unserer Partnerschule passieren wir das Ikea Distributionszentrum, die Produkt-Entwicklung IOS (IKEA of Sweden), IKEA Industries und die IKEA-Katalogproduktion ICOM. Sie beherbergt das größte Fotostudio Europas.

Unsere Partnerschule ist eine Gymnasiesärskolan, eine berufsorientierte Schule, die derzeit von ca. 600 Schülern besucht wird. Beim Betreten der Schule nehmen wir sogleich die von ihr ausgehende positive Aura wahr. Wir spüren: Wer in dieser angenehmen Atmosphäre lernt und arbeitet, ist kreativer und leistungsfähiger. Er identifiziert sich mit seiner Schule und trägt Verantwortung.

Die räumliche Ausstattung der südschwedischen Bildungseinrichtung beeindruckt uns alle sehr. Wir bestaunen formschöne und für jeden Schüler nutzbare Holzspinte im skandinavischen Design. Wir sind beeindruckt von der hellen, geräumigen zum Essen und auch zum Verweilen einladenden Schulmensa, von der gut bestückten Bibliothek, der großen Schwimmhalle, der Indoor-Minigolfanlage, dem Judo- und Billard-Raum und last but not least, man höre und staune: von dem schuleigenen Schießstand. Letztere Sportstätte ist wohl eher den traditionellen Elch-Jagdgewohnheiten der Schweden geschuldet als den Wahl-Sportangeboten einer berufsbildenden Schule. Sie ahnen, den Schülern unserer Partnerschule hier oben im Norden bieten sich ungeahnte sportive Möglichkeiten. Beim späteren Rundgang stellen wir mit Bewunderung fest, dass ein jeder Lehrer unserer Partnerschule einen Lehrerarbeitsplatz sein eigen nennen darf und dass alle Klassenräume über einen angegliederten modernen Meeting-Raum verfügen. Da bleibt uns allen nur das große Staunen. „Eine Schule, die man gerne besucht.“, so ein mitgereister Schüler.

Die duale Berufsausbildung wie wir sie kennen und auch schätzen - hier bei uns in Deutschland eine langjährige und erprobte Tradition - kennt das schwedische Schulsystem in dieser Form so nicht. Die schwedischen Berufsschüler erlernen keinen einschlägigen Ausbildungsberuf, vielmehr werden sie beispielsweise im Berufsfeld Bautechnik als „Konstrukteure“ ausgebildet. Diese dreijährige vollschulische Ausbildung vermittelt grundlegende Kompetenzen der gängigsten Gewerke des Bauhandwerks. Die Schüler lernen vor Ort beispielsweise das Mauern, das Malern und das Tapezieren, das Schreinern sowie das Gerüstbauen, das Schweißen und den Trockenbau und auch: das sichere Baggerfahren auf Baustellen. Letzterer Lehrgang, so erfahren wir, ist immer ein besonderes Highlight für die Schüler dieser Fachrichtung.

Die deutsche Delegation aus Groß-Gerau wurde vom Kollegium der hiesigen Bauabteilung herzlich empfangen und in allen Belangen partnerschaftlich betreut. Der Kollege Per-Erik Johansson zeigte sich für das abwechslungsreiche, interessante Besuchsprogramm verantwortlich und war vor Ort auch ein kompetenter Ansprechpartner.

Unsere Auszubildenden des Tischlerhandwerks erhielten im Rahmen dieses Schulaustausches die einmalige Chance, ihre bisher erworbenen handwerklichen Fähigkeiten in einem kleinen „Möbelbauprojekt“ unter Beweis zu stellen. Unter Anleitung von Per Erik Johansson baute unsere Schülergruppe einen Tisch in konischer Bauform. Bestimmungsort: die Minigolfanlage der Haganässkolan. Ein landestypisches Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag sorgten für das leibliche Wohl und erleichterten so die handwerklich anspruchsvolle und schweißtreibende Tätigkeit. Nach Fertigstellung wurde das angefertigte Möbelstück auch sogleich seiner Funktion übergeben. Das erste innerschulische und landesübergreifende Minigolf-Turnier zwischen Deutschland und Schweden wurde vor Ort ausgetragen und der Tisch so en passant auf seine Tragfähigkeit und Funktion hin getestet. Ergebnis: Platz zwei für die Schülermannschaft der Beruflichen Schulen Groß-Gerau und Note 1 für das angefertigte Werkstück.

Ganz besonders in Erinnerung wird uns die Betriebsbesichtigung beim Möbelgiganten Ikea bleiben. Bei Ikea-Industries hatten wir Gelegenheit, die Fertigung einer Schranktür eines aktuellen Küchenprogramms live mitzuerleben. Die Produktionsstraße demonstrierte anschaulich den Werdegang einer industriell hergestellten Möbeltür: Zuschnitt, Fräsen, Lackierung, Trocknung und Verpackung. Jetzt wissen wir, was industrielle Massenfertigung bedeutet.

Der Besuch der Design- und Prototypenabteilung machte uns bewusst, welch langer Weg ein Produkt vom ersten Entwurf bis hin zur Serienreife zurückzulegen hat. Weiter ging es zum IKEA-TestLab, einer Art Crashtestlabor für höchste Ansprüche. Hier werden alle IKEA-Produkte auf Herz und Nieren gequält, denn Ikea-Produkte müssen internationalen Standards genügen. Beachtlich, bedenkt man, dass der multinationale Einrichtungskonzern Produkte in 45 Staaten dieser Welt liefert. Die Schranktür findet der Kunde möglicherweise im Warensortiment des heimischen Ikea-Einrichtungshauses im nahen Wallau oder aber im fernen Honkong, im russischen St. Petersburg oder gar im hippen New-York.

Nicht fehlen durfte auf unserem spannenden Besuchsprogramm auch das Kennenlernen von Land, Kultur und Menschen. Schweden: das Land der Wälder, der Seen und der Elche, ein weithin noch unberührtes Paradies für Naturfreunde, für Naturliebhaber oder solche, die es noch werden wollen. Bei Wanderungen durch nahegelegene Wälder und Naturparks oder auch bei ausgedehnten Küstensparziergängen konnten wir uns hiervon überzeugen.

Wir erfuhren, was schwedische Gastfreundschaft im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet: Private Abendesseneinladungen der Reisegruppe bei den Kollegen vor Ort, von deren Ehefrauen kulinarisch auf höchstem Niveau unterstützt. Mit einem gemeinsamen Abschlussessen verabschiedeten uns am Vorabend unserer Abreise unsere perfekten Gastgeber gen Deutschland. Geladen hatte Abteilungsleiter Mats Böckmann. Gemeinsam mit den Gästen aus Groß-Gerau, dem Kollegium der Bauabteilung und dem designierten Schulleiter der Gymnasiesärskolan, Krister Dagneryd ließen wir in privater Atmosphäre bei schwedischen Spezialitäten unseren Austausch Revue passieren und trafen Vorplanungen für einen Gegenbesuch im kommenden Schuljahr. In netter und entspannter Runde erörterten wir die Chancen einer Schulpartnerschaft und diskutierten über deren Verfestigung.

Die Beteiligten sind fest davon überzeugt, dass der Erfolg dieser gelungenen deutsch-schwedischen Kooperation ein Gewinn für alle Teilnehmer darstellt. Aus diesem Grunde und insbesondere vor dem Hintergrund, Europa auch in Schulen erfahrbar und begreifbar zu machen, sollte unsere Schulpartnerschaft mit der Haganässkolan in Älmhult intensiviert und weiter ausgebaut werden.

Die Beruflichen Schulen bleiben in Kontakt, gegenseitige Besuche sind geplant.

Hejdå,…….

Stefan Hirschfelder, Erika Bohlen

November 2013: „God dag, Sverige“

Die angehenden Tischler der Beruflichen Schulen schauen stets wissbegierig über den Tellerrand hinaus: 2012 nahmen sie mit Lehrer Stefan Hirschfelder erfolgreich am „Brückenschlag-Landeswettbewerb“ teil, nun haben sie Holzbauberufe in Schweden im Blick.

Schweden und das Tischlerhandwerk: Klar, jeder denkt auf Anhieb an den renommierten Möbelbauer, der universell demonstriert, wie wohnlich Holz sein kann. Stefan Hirschfelder, Architekt und Lehrer an den Beruflichen Schulen (BSGG), lacht: „Für uns und unsere Auszubildenden ist es interessant, über den Tellerrand des dualen Ausbildungssystems hinauszuschauen. Wiewohl unsere Methode der Verknüpfung von Praxis und Theorie sich hervorragend bewährt, gibt’s andere Wege, die Vorteile haben. Zum Beispiel in Schweden.“

Hirschfelder erzählt von einem Kollegen, der mit einer Schwedin verheiratet sei und den Austausch zu einer Schule in Älmhult anregte. „Wie so oft im Leben führte eins zum anderen.“ Kontakt nach Schweden trage nicht nur in fachlicher Hinsicht zur Horizonterweiterung der derzeit 20 Auszubildenden im Bereich Tischlerei bei, sondern schule Allgemeinwissen und kulturelle Bildung, betont Jürgen Mootz. „Den Handwerksberuf attraktiv auszugestalten, ist Ziel. Dazu gehört die Teilnahme an Wettbewerben, aber auch das Bestreben, immer neue interessante Kontakte in der Branche zu knüpfen.“ Seit 30 Jahren ist Jürgen Mootz Lehrer an den BSGG und vertritt beim Gespräch mit dem ECHO die Schulleitungsebene. „Es ist von großem Interesse für uns und unsere Schüler, die europaweite Vernetzung auszubauen“, ergänzt er.

Hirschfelder und Mootz haben die Koordination des Austauschs, der in eine Schulpartnerschaft mit der Häganasskola in Älmhult münden könnte, übernommen. Schon bald machten sie 2012 einen Antrittsbesuch und es hieß „God dag, Sverige.“ Stefan Hirschfelder berichtet enthusiastisch: „Wir sind nach Älmhult gereist, wo der globale Einrichtungskonzern sein Mutterhaus hat. Hier werden Ideen und Produktionen entwickelt. Älmhult ist sehr hübsch und in Hinblick auf seine Größe unserer Kreisstadt vergleichbar. Die dortige Schule – die Häganässkola – unterrichtet Bauberufe in enger Verknüpfung.“ Das heißt, nicht der Tischler, der Schweißer und der Elektriker werden separat ausgebildet, sondern jeder Handwerker erhalte Unterricht im Gesamtpaket. „Constructor“ laute die Berufsbezeichnung für kompakt ausgebildete, technisch und handwerklich versierte Leute. Schüler der Beruflichen Schulen waren bei der ersten Reise nicht dabei, doch bereits im Frühjahr machte eine Gruppe schwedischer Auszubildender mit Lehrer Jan Andersson einen Gegenbesuch. „Das war klasse, wir hatten uns mit schwedischem Grundvokabular vorbereitet, die Verständigung lief gut, zumal viele Fachbegriffe ähnlich sind. Möbel heißt Möbel. Außerdem half Englisch weiter“, merkt Jürgen Mootz an.

Die Unterbringung der Besucher war im Gästehaus der Landesstelle gesichert, Gespräche bei „Köttbullar“, den schwedischen Fleischbällchen, gehörten dazu. Jürgen Mootz spricht sogleich einen weiteren Aspekt möglicher Kooperation an: „Letztlich sind es nicht nur Tischler, die davon profitieren. Für Gerüstbauer, Elektriker, Mechatroniker oder angehende Köche gäbe es viel zu entdecken.“

Robin Jordan (18) und Kevin Heinbuch (18) sind Tischlerauszubildende im zweiten Lehrjahr der BGSS, die den Besuch der schwedischen Kollegen miterlebten. „Die Schweden sind echte Allrounder. Haben für unsere Hofgestaltung eine zickzackförmige Holzbank konstruiert und gebaut, wobei sie auch die Metallvorrichtungen selbst geschweißt haben“, berichten die jungen Männer. Stefan Hirschfelder erzählt, dass er sich als Fahrer eines Kleinbaggers nützlich machte. „In jedem Mann steckt ein Bub“, sagt er schmunzelnd. Seine Schüler grinsen, merken dann aber ernsthaft an, dass die duale Ausbildung an den BSGG insgesamt mehr Einblick in den praktischen Alltag erlaube, als die schulisch erworbene Vielfalt der Schweden. „Beides hat Vor-und Nachteile. Es ist gut, sich zu spezialisieren, es ist auch gut, handwerklich breit aufgestellt zu sein. In Schweden gehören Praktika zur Ausbildung, wir erleben den ungeschönten Alltag“, meint Kevin Heinbuch. Im Frühjahr 2014 will eine erste Tischlergruppe ins schwedische Älmhult reisen. „God dag, Sverige“, freut sich Stefan Hirschfelder.

Groß-Gerauer Echo, 11.11. 2013, lot

April 2013: Besuch aus Schweden

Vier Schüler der Fachrichtung Zimmermann und ein Lehrer der schwedischen Schule Haganässkolan in Älmhult waren im Zuge ihrer Berufsausbildung  vom 9. bis zum 26. April 2013 an unserer Schule zu Besuch.

Sie führten verschiedene Arbeiten auf unserem Schulgelände aus. Begonnen wurde mit einer Sitzfläche im Raucherberreich am Wasserturm. Darüber hinaus haben unsere Besucher die Sitzbänke auf dem kompletten Schulhof erneuert und haben entlang unseres Kiosks eine neue Sitzgelegenheit errichtet.

Mit Ausflügen wie z. B. zum Berufsbildungs- und Technologiezentrum in Weiterstadt wurde ihnen das deutsche Ausbildungssystem näher gebracht.

Mai 2012: Sweden meets Germany - Schwedische Auszubildende an den BSGG

Zwei Auszubildende der Fachrichtung Mechatronik der schwedischen Haganässchule in Älmhult absolvieren zurzeit ein vierwöchiges Praktikum bei der Firma Hörmann Automotive Gustavsburg GmbH. Parallel dazu besuchen sie den Unterricht an den Beruflichen Schulen Groß Gerau. Herr Arndt Redmann, der als verantwortlicher Mechatroniklehrer die beiden betreut erzählt, dass die Schüler Deutschland im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten LEONARDO DA VINCI - Austauschprogramms besuchen.

Die schwedischen Schüler zeigen sich sehr angetan von der herzlichen Aufnahme und fachlichen Betreuung an den Beruflichen Schulen in Groß-Gerau. Sie fühlen sich auch bei der Firma Hörmann Automotive Gustavsburg GmbH ausgesprochen wohl. Die kollegiale Aufnahme und der Kontakt zu den dortigen Auszubildenden gestalten sich sehr freundlich. Insgesamt empfinden sie den Austausch als sehr gute Bereicherung ihrer beruflichen  Ausbildung. Frau Marion Glaser Klutmann, Koordinatorin internationale Kontakte, die den Austausch gemeinsam mit ihrem schwedischen Kollegen Herrn Jan Andersson  ins Leben gerufen und organisiert hat, freut sich über den bisherigen Verlauf  und hofft, dass es auch in Zukunft  solche Austauschprogramme geben wird.  „Sowohl Schüler als auch Lehrer und Firmen profitieren von diesen internationalen Begegnungen“, sagt sie. Im nächsten Jahr werden Auszubildende der BSGG  zum Praktikum nach Älmhult reisen.

August 2011: Der erste Kontakt

Jan Andersson, Lehrer für Bautechnik an der Haganässkolan, nimmt Kontakt mit der Schulleitung der Beruflichen Schulen Groß-Gerau auf, um die Möglichkeiten und Chancen einer Schulpartnerschaft zu klären.

 

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