Tischlergesellen zeigen originelle Möbelstück im Landratsamt

Gemeinsam den ersten Platz bei der Gesellenprüfung der Tischlerprüfung des Kreises Groß-Gerau teilten sich am Samstag Lisa Günther und Mirko Brand.

Gemeinsam den ersten Platz bei der Gesellenprüfung der Tischlerprüfung des Kreises Groß-Gerau teilten sich am Samstag Lisa Günther und Mirko Brand. Im Foyer des Groß-Gerauer Landratsamtes stellten sie ihre Arbeiten vor. Foto: Vollformat/Robert Heiler

KREIS GROSS-GERAU - Noch hat Mirko Brand (28) seinen Gesellenbrief als Tischler nicht in der Tasche, doch wenn er im theoretischen Teil der Ausbildung so überzeugend abgeschnitten hat wie im praktischen, steht dem nichts im Weg: Im Foyer des Landratsamts gehörte Mirko Brand aus Nauheim am Samstag zu 13 angehenden Tischlergesellen der dualen Ausbildung in Kooperation von Lehrbetrieben und Beruflichen Schulen Groß-Gerau (BSGG), die ihre Gesellenstücke präsentierten.

Frühmorgens mussten die Schreib- und Computertische, die Garderoben-Möbel, die TV-Sideboards und Barschränke an Ort und Stelle sein, denn die Innungsprüfer unterzogen sie dort einer kritischen Musterung. „Da hat mancher noch rasch das Holz poliert, eine Schraube justiert, den Lack nachgetupft“, sagte Innungsobermeister Helmut Niedermeyer. Und während Tischlermeister Mario Klein, Vorsitzender der Prüfungskommission, und andere Prüfer nun Schubladen auf- und zuzogen, Nuten besahen, die Qualität der Holzverarbeitung begutachteten, warteten die Prüflinge abseits nervös aufs Ergebnis

Die Bar in den Tischbeinen

An Mirko Brands Gesellenstück blieben die Blicke hängen, hat er doch einen Couchtisch aus Nussbaum mit verschließbaren und teils gar versteckten Schubladen aus Ahorn getischlert. Wahrlich originell, denn der Clou ist: Lautlos lassen sich die Tischbeine öffnen, deren Hohlraum einer Flasche Wein Platz bietet.

Kreative Ideen seien immer gefragt, sagten die BSGG-Lehrer Stefan Hirschfelder und Jörg Mootz. „Hundert Stunden betrug das Zeitfenster, um das Gesellenstück zu bauen. Voraus gingen ein minutiöser Entwurf sowie theoretische Prüfungsbereiche – Gestaltung und Konstruktion, Planung und Fertigung, Montage und Service sowie Wirtschaft und Sozialkunde“, führten sie aus.

Dass heute lediglich die Gesellenstücke bewertet wurden, die Gesellenbriefe aber bis zur Freisprechungsfeier am Donnerstag, 6. Juli, auf sich warten lassen, sei einer noch folgenden Prüfung geschuldet, so die Lehrer. „Wir haben noch einen sechsstündigen Praxisblock, in dem eine Handprobe gefertigt wird – eine Schublade oder ähnliches“, so Hirschfelder. „Das darf nicht unterschätzt werden.“

Dass aber Mirko Brand in der Bewertung der Gesellenstücke vorn lag, blieb nach Abschluss der Sichtung kein Geheimnis: „Seinen Couchtisch mit verkappter Bar würde ich mir auch ins Wohnzimmer stellen“, meinte Hirschfelder lachend. Mirko Brand, der Älteste des Jahrgangs, erzählte: „Ich habe Fachabitur gemacht und in der Computer-Design-Branche gearbeitet. Doch es zog mich zum Handwerk. Die Tischlerausbildung ist meine erste Berufsausbildung. Mit Holz zu arbeiten, ist eine tolle, kreative Sache.“ Neben Mirko Brand schnitt Lisa Günther (19), die einzige Frau des Jahrgangs, fast punktgleich ab. „Minimale Stellen hinter dem Komma weniger“, so der Prüfer.

BSGG-Lehrer Hirschfelder sagte: „Frauen, bringen oft eine kreative Ader mit. Auch der Klassengemeinschaft tut eine Frau gut, ich würde sagen: Lisa hatte die Hosen an.“ Die angehende Gesellin Lisa Günther hat einen weiß lackierten Schminktisch gebaut, dessen großer Spiegel sich passgenau einklappen lässt, sodass das Möbel im Nu zum Schreibtisch wird. „Super Idee“, so Lehrer und Prüfer.

„Ich habe die Ausbildung nach der zehnten Klasse begonnen, wollte Möbel bauen und bleibe dabei“, so die junge Frau. Im Betrieb Weisbecker (Ginsheim-Gustavsburg) freue man sich darauf, sie zu übernehmen.

Neben vier Schreibtischen und anderen, in modernem Design gestalteten Möbeln, war es ein „Roll-Tresen“ von Yanic Weber (19), der imponierte: Aus Ahorn und Nussbaum, teils mosaikartig versetzt, wirkt dieser hohe Tresen mit Barschrank sehr behaglich: „Schönen Feierabend - und Prost!“, möchte man ausrufen. Auch Yanic Weber hat schon die Zusage seines Rüsselsheimer Chefs Erik Schulze für die Übernahme nach der Gesellenprüfung. Was sollte da noch schiefgehen?

HOHES NIVEAU GELOBT

Martin Gonnermann, Leiter der Beruflichen Schulen (BSGG), würdigte das hohe Niveau der Gesellenstücke der Tischlerklasse: „Ihr habt gut daran getan, ein Handwerk zu lernen“, so Gonnermann.
Die Zahl auszubildender Tischler stagniere seit Jahren. Mit 13 Schülern sei 2017 ein eher starker Jahrgang. In den BSGG lernten Abiturienten, Realschüler, ehemalige Förderschüler und Quereinsteiger gemeinsam. „Die duale Ausbildung ist ein methodisch großartiges Konzept.“ Die Gesellenstücke stehen bis Freitag, 16. Juni, im Landratsamt.

Groß-Gerauer Echo

12.06.2017

Charlotte Martin