Vom Gesamtschüler zum Stipendiaten des deutschen Volkes

Thomas Hlubek, ehem. Schüler der BSGG, studiert mit Hochbegabtenförderung.

Thomas Hlubek

Der Weg zum Stipendium

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das älteste, größte und wohl auch renommierteste Begabtenförderungswerk Deutschlands. Es vergibt Stipendien an etwa 12.700 Studierende und zählt jedes Jahr knapp 2.400 Neuaufgenommene.

Voraussetzung dafür, dass man sich Stipendiat des deutschen Volkes nennen darf, ist das Bestehen des stiftungseigenen Auswahlverfahrens. Um hierzu eingeladen zu werden, kann man sich entweder selbst vorschlagen, oder man lässt durch die eigene Schulleitung einen Vorschlag anfertigen. Letzteres war in meinem Fall das Mittel der Wahl.

Nach dem Vorschlag der Schulleitung ließ die Einladung zum dreitägigen Auswahlseminar ca. ein halbes Jahr lang auf sich warten. Das Seminar fand am ersten Adventswochenende 2019 in einer Jugendherberge in Speyer statt.

Für den Auswahlprozess wurde man unter allen 50 anwesenden Bewerbern willkürlich in Gruppen von jeweils 5-6 Personen eingeteilt. In diesem Kreis war ein zuvor vorbereitetes, streng auf sieben Minuten bemessenes Referat vorzutragen und eine anschließende 13-minütige Diskussion zu moderieren. Dieser Prozess wurde von einem Mitglied der Auswahlkommission begutachtet. Das Thema konnte man sich frei auswählen; es empfahl sich jedoch, ein möglichst kontroverses Thema aus dem eigenen Interessensbereich zu wählen, so beispielsweise die E-Mobilität, Vorratsdatenspeicherung oder die derzeitige Weltpolitik.

Zudem waren zwei Einzelgespräche mit Mitgliedern der Auswahlkommission geplant, die sich aus ehemalig Geförderten der Studienstiftung zusammensetzt. Gegenstand dieser Gespräche waren überwiegend Angelegenheiten des außerakademischen Engagements, des schulischen Werdegangs und der eigenen beruflichen Ziele.

Da diese Termine auf ein ganzes Wochenende verteilt waren und es zwischendurch immer mal wieder einzelne Leerlaufphasen eingestreut waren, gab es zahlreiche Möglichkeiten, mit den anderen Bewerbern ins Gespräch zu kommen über Fachliches und Privates.

Was besonders auffiel, war die lockere Atmosphäre unter allen Beteiligten. Grund dafür war der Grundsatz der Studienstiftung, dass es keine Quote gibt, wie viele Bewerber pro Jahrgang eine Förderung erhalten sollen. Somit hätten theoretisch alle Bewerber ein Stipendium erhalten können, oder auch kein einziger Bewerber. Demzufolge war keinerlei Konkurrenzkampf um die Stipendien zu verspüren, sondern eher ein kollektives Miteinander.

Etwa zwei Wochen nach dem Auswahlverfahren traf die positive Antwort der Studienstiftung ein. Die Förderung umfasst eine ideelle sowie eine finanzielle Komponente.

Ideelle Angebote sind das Herzstück des künftigen Wirkens innerhalb der Studienstiftung. Man darf mit anderen Stipendiaten an Akademien, Tagungen und Kollegs teilnehmen und lernt so interessante neue Menschen kennen und schärft sein akademisches Profil.

Finanziell setzt sich das Stipendium aus der sogenannten Studienkostenpauschale von 300 € monatlich (ehemals „Büchergeld“) und einem Lebenshaltungsstipendium von bis zu 744 € pro Monat zusammen. Die Höhe des Letzteren orientiert sich an den BAföG-Richtlinien. Attraktiv ist die finanzielle Förderung nicht zuletzt deswegen, da man die erhaltenen Zuwendungen nicht zurückzahlen muss, anders als im Fall des BAföG.

Mein Werdegang

Zunächst besuchte ich die Martin-Buber-Schule in Groß-Gerau, da mir die Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums nach der Grundschule leider verwehrt wurde. Dies stellte sich in der Retrospektive jedoch als ein großes Glück heraus, da ich mich frei von Leistungsdruck und Versetzungszwang kontinuierlich verbesserte, sodass im Jahre 2016 letztlich ein Realschulabschluss der Note 1,1 zu Buche stand.

Infolgedessen schloss sich der Einstieg in die gymnasiale Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums der Fachrichtung Wirtschaft an, welche ich 2019 mit einem Notendurchschnitt von 1,0 abschloss.

Derzeit bin ich als dualer Student im Studiengang „Public Administration“ tätig. Hierbei wechseln sich fachtheoretische Studienabschnitte an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung (HfPV) in Wiesbaden mit Praxisphasen im Regierungspräsidium Darmstadt ab.

Zu meinen außerschulischen Engagements zählen meine ehrenamtliche Tätigkeit in der katholischen Kirche sowie meine politische Aktivität in der Christlich-Demokratischen Union (CDU) und der Jungen Union (JU).

Thomas Hlubek, Januar 2020

 

Siehe dazu auch Leben und arbeiten unter Hochbegabten im Newsarchiv.

Top