"Pearson Broes" fährt zur EZB

Er sorgte für die höchsten TV-Einschaltquoten am 25. Februar: der deutsche Vorentscheid für den Euro-Vision-Songcontest (ESC). Letztlich siegte Jamie-Lee Kriewitz mit ihrem Song „Ghost“, im Mai wird die 17-jährige Siegerin in Stockholm Deutschland vertreten. Nur wenige Tage später gab es auch in der Bundesbank eine deutsche Vorentscheidung für einen europäischen Wettbewerb, nämlich für den Generation Euro-Schülerwettbewerb des Eurosystems. Und drei dafür ausgewählte fünfköpfige Schulteams – allesamt fast im Alter der ESC-Siegerin - wirkten trotz ihres professionellen Outfits (dunkle Anzüge, Krawatte oder entsprechende Kostüme bei den Damen) ähnlich nervös wie die Kandidaten beim ESC. Kein Wunder: Sie hatten auch eine knifflige Aufgabe zu lösen, nämlich die Entscheidung über die Zinsen für die nächste EZB-Ratssitzung im März zu fällen – und mussten diesen Beschluss in einer Präsentation begründen.

Intensive Vorbereitung in der Bundesbank

Doch nicht nur die Schülerinnen und Schüler waren gefordert; die Bundesbanker aus dem Bereich der Ökonomischen Bildung (ÖB) um das Organisatorenteam André Kühne und Sarah Bartlick sind seit Monaten mit diesem Wettbewerb beschäftigt. Zunächst informierten sie die weiterführenden Schulen bundesweit über die Veranstaltung, es gab Ende September sogar eine Pressemitteilung dazu. Nach dem Online-Quiz, an dem über hundert Teams aus Deutschland mitmachten, beteiligten sich immerhin noch 19 Teams (je fünf Schüler, die von einem Lehrer betreut werden) an einer Analyserunde, in der sie eine Zinsentscheidung des EZB-Rats für den Euro-Raum auf Basis der aktuellen Lage in einem Aufsatz darstellen sollten. Eine Jury aus Bundesbankexperten bewertete im Januar die schriftlichen Ausarbeitungen und lud die drei besten Teams zum deutschen Finale am 1. März nach Frankfurt ein.

Drei Teams, ein Ergebnis

Dort erläuterten die Teams in etwa 20-minütigen Präsentationen, warum die Notenbankzinsen im Euro-Gebiet ab März 2016 höher, niedriger oder gleich bleiben sollten. Alle drei Teams kamen zum gleichen Ergebnis, die Zinsen auf dem heutigen Niveau zu belassen, die Herangehensweise war aber total verschieden. Während das Team „€nix - best of economics“ vom beruflichen Gymnasium aus Groß-Gerau die Entscheidung mit einer Präsentation und einem selbst erstellten Video illustrierte, griff das Team „€-Visionaries“ der Internatsschule „Schloss Hansenberg“ im Rheingau sehr professionell diverse Charts aus EZB-Monatsberichten auf. Das dritte Team „Pearson Broes“ vom Collegium Johanneum aus Westfalen reihte sich hier gut ein, beeindruckte die vierköpfige Jury aber besonders durch seine klugen und differenzierten Antworten in der Fragerunde. Die Jury bestand aus Sonja Juko von der Technischen Zentralbankkooperation, der Hachenburg-Studentin Sinja Kleß, Thomas Fehrmann und Andre Kühne. „Es war eine hauchdünne Entscheidung, weil jede Präsentation ihren eigenen Akzent setzte“, meinte Jury-Chef Fehrmann. Letztlich siegten „Pearson Broes“ vor „€-Visionaries“ und „€nix - best of economics“.   Kein Geringerer als Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele, in dessen Dezernat der Zentralbereich ÖB liegt, nahm die Siegerehrung vor. Dort würdigte er das Engagement der Schüler und Lehrer, das gerade in der Geldpolitik so wichtig sei. Sein Fazit: „Sie können sich alle als Sieger fühlen.“ Letztlich darf aber nur das Team aus der westfälischen Schule zur zweitägigen Abschlussveranstaltung im April in die EZB kommen, wo sie dann die Siegerteams der anderen Länder treffen werden. Dann werden die Schüler auch wissen, ob der EZB-Rat ihrem Votum, die Zinsen im März unverändert zu lassen, gefolgt ist.

Quelle: Generation €uro Schülerwettbewerb

Text und Fotos: Matthias Endres

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