Mit Groß-Gerauer Zuckerrüben gegen den Klimawandel

BG Umwelt besichtigte Biogasanlage in Wallerstätten bei Groß-Gerau

„Die Fabrik konnte man gar nicht übersehen.“ „Die Zuckerrüben wurden von überall her gekarrt…“ „Heute gibt es da nur noch ein großes Feld…“ Die Erinnerung an die 2007 geschlossene Zuckerfabrik in Groß-Gerau ist bei den Schülerinnen und Schülern der Beruflichen Schulen Groß Gerau noch sehr präsent. Das Werk war einst der größte Zuckerproduzent Hessens. Allerdings musste die EU-Zuckermarktordnung der Europäischen Union (EU) im Jahr 2006 nach einem Beschluss der Welthandelsorganisation (WTO) grundlegend reformiert werden, da sie nicht mehr mit internationalen Handelsregeln vereinbar war. Die EU reduzierte in der Folge die einheimische Zuckerproduktion, auch der Zuckerrübenpreis wurde schrittweise gesenkt. Zahlreiche Zuckerfabriken wurden geschlossen, um die restlichen Werke höher auslasten zu können. Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union wurde im Zuge dieser Reform auch das Werk in Groß-Gerau zurückgebaut.

Statt Zucker wird aus Rüben heute Biogas

Für die ansässigen Landwirte eröffnete sich nach der Schließung der Zuckerfabrik jedoch eine Alternative: Seit 2008 wird unweit der Beruflichen Schulen im Groß-Gerauer Ortsteil Wallerstätten eine Biogasanlage betrieben. Sie dient der Erzeugung von Gas durch die Vergärung von Biomasse. Aus in der Umgebung angebauten Energiepflanzen wie Mais, Grünroggen, Hirse und Zuckerrüben wird sehr erfolgreich Biogas gewonnen. Dies dient sowohl der Verstromung als auch der Wärmeerzeugung in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) vor Ort und führt zur Einsparung von großen Mengen Kohlenstoffdioxid. Etwa 2.300 Haushalte werden mit elektrischer Energie versorgt. Wärme wird außerdem zum Kräutertrocknen genutzt.

Landwirtschaftliche Flächen für Energiepflanzen hergeben

Allerdings stellt sich trotzdem Unbehagen ein, wenn landwirtschaftliche Flächen exklusiv zur Erzeugung von Energiepflanzen genutzt werden. Die Verdrängung des Anbaus von Nahrungsmitteln scheint hier doch sehr offensichtlich. In diesem Fall haben die Landwirte nach Schließung der Zuckerfabrik allerdings eine akzeptable Alternative gefunden. Betriebsleiter Stefan Ruckelshaußen erklärte außerdem mit Augenzwinkern, dass der Anbau von Energiepflanzen keine Entwicklung der Neuzeit sei. Schließlich sei beispielsweise Hafer nicht fürs Müsli sondern für Pferde angebaut worden, die den Pflug übers Feld zogen.

Die letzten Meter zum Abitur

Wenige Wochen vor dem Ablegen des schriftlichen Abiturs im Leistungsfach Umwelttechnik war der Besuch der Biogas-Anlage für die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Umwelt eine willkommene praxisnahe Auffrischung des Wissens über regenerative Energien. Herzlichen Dank

Für den Kurs: Berufliches Gymnasium Schwerpunkt Umwelt, LK 13 Umwelttechnik.

Dr. Doris Wolf