„Was macht auch Millionäre arm?“

Die Frage aus dem Eingangsquiz von Alexandra Köhler stellt keinen der rund 50 BSGG-Schüler vor Probleme: Die Inflation – natürlich! Und auch bei der zweiten großen Gefahr für die Stabilität des Geldes bekommt die Referentin der Deutschen Bundesbank schnelle, sachliche und gut informierte Antworten von ihren Zuhörern: Nein, es ist eben nicht toll, wenn unter der Deflation Autos, Fernseher, Handys und andere Konsumgüter täglich immer billiger werden. Vielmehr führt Deflation dazu, dass irgendwann niemand mehr etwas kauft – in Erwartung, dass die Preise ja immer noch weiter nachgeben werden.Die Folgen für eine Volkswirtschaft in einer solchen Spirale sind meist verheerend.

Erste Adresse für volkswirtschaftliches Know-How

Ökonomische Bildung ist ein Themenfeld, dem die Deutsche Bundesbank neben ihren zahlreichen anderen Aufgaben größte Aufmerksamkeit widmet. Und auch wenn die einst mächtige Zentralbank durch die Europäische Währungsunion deutlich an geldpolitischer Bedeutung eingebüßt hat und heute nur noch mit einer Stimme unter vielen im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) agiert: Wenn es um die fundierte und objektive Vermittlung von volkswirtschaftlichem und geldpolitischem Fachwissen geht, ist sie wohl nach wie vor die erste Adresse in Deutschland. Und so halten Referenten der Zentralbank nicht nur im gerade neu eröffneten Geldmuseum in Frankfurt regelmäßig Vorträge für Erwachsene und für Schülergruppen, sondern sie gehen auch „auf Tour“ und gastieren dabei - so wie an diesem Vormittag – auch bei den Abiturienten des Bereichs Wirtschaft und Verwaltung an der BSGG.

Sinnvolle Verknüpfung von Theorie und Praxis

„Solche externen Angebote sind für uns ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts“, sagt Sabine Kämpf, Abteilungsleiterin des Beruflichen Gymnasiums. „Mindestens einmal pro Halbjahr haben wir externe Referenten bei uns zu Gast, oder wir gehen selbst nach Draußen – etwa zu Betriebsbesichtigungen.“ Auf diese Weise finde an der Schule eine regelmäßige und sinnvolle Verknüpfung von Theorie und Praxis statt und der Lehrstoff bekomme einen jeweils aktuellen Bezug. Im Hinblick auf die Vortragsveranstaltung der Bundesbank heißt das nach Kämpfs Worten zum Beispiel ganz konkret: „Durch die Geld- und Fiskalpolitik im Unterricht können Schüler dem Wirtschaftsteil der Zeitung folgen und sich kritisch damit auseinandersetzen.

Die Auseinandersetzung mit der Thematik findet bereits im Rahmen der Veranstaltung statt: Von Anfang an sind die Schülerinnen und Schüler mit der Referentin im Dialog. Locker in ihren Vortrag eingestreut fragt Köhler nach Daten zur Einführung des Euro-Buch- und –Bargelds, hakt nach und erklärt ebenso anschaulich die Eckpunkte des Maastricht-Vertrages, wie die Bedeutung der „No-Bailout-Klausel“, nach der Mitgliedsstaaten der Währungsunion – eigentlich – nicht für die Schulden anderer haften sollten. Begriffe wie „Lehman-Brothers“, „Griechenland“ oder „Ankaufprogramm für Staatsanleihen“ schwirren durch den Raum. Mitunter werden sogar die Grenzen von Volks- und Betriebswirtschaft locker überschritten, etwa bei der Frage, warum die Zentralbank als Oberste Bundesbehörde nicht wie eine Geschäftsbank im Handelsregister eingetragen ist.

Aber vor allem kommt während der ganzen Zeit nie das Gefühl auf, in einer Pflichtveranstaltung zu sitzen. Der häufig wiederholte Satz der Referentin „Das könnt ihr dann auch im Abitur so schreiben“ scheint für die Schüler eher eine Zugabe zu sein, ein willkommener Mehrwert, neben ihrem echten Interesse an den Informationen der Bundesbank über Geldpolitik aus erster Hand.

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